Besucht von: JJ , am: 29. 10. 2005 , Objekt Nr. de-rr-th.0001 ....................................................................................................Die Bildergalerie befindet sich am Ende dieser Seite !!!

 

 


Deutschland



Kastellthermen von Brigobanne (Hüfingen) !


Inschrift (alter Eingang)


Die Römische Badeanlage

Die römische Badeanlage von Hüflingen ist eines der ältesten Militärbäder nördlich der Alpen.
Ihre Aussenmasse betragen ca. 20 x 31,5 m, ohne Anbauten.

Das Gebäude wurde in zwei Bauabschnitten errichtet die wohl zeitlich nicht allzu weit auseinander lagen.
Der ältere Teil ist der Südteil der Anlage mit den Massen 17,6 m x 15 m. ER umfasst einen Warmbaderaum (caldarium), einen lauwarmen Raum (tepidarium), einen Kaltbaderaum (frigidarium) sowie einen grossen Heizraum (praefurnium). Damit sind alle für den Badegang unverzicjtbaren Stationen vorhanden. Der später angebaute, nördlich gelegene Teil ergänzt die bereits vorhandenenRäumlichkeiten um einen grossen Umkleideraum mit Wasserbecken, der auch als Ruhehalle diente, ein Heissluftbad (studatorium) und einen Nebenraum unbekannter Funktion.
Der nördliche Anbau misst 17,6 m x 13,9 m.
Überall im Badegebäude wurden Ziegel mit den Produktionsstempeln der 11. Legion, der claudischen, frommen und treuen (claudia pia Fidelis) vermauert, der die in Hüfingen stationierte Truppe unmittelbar unterstand.

Diese Stempel datieren die Entstehung des Gebäudes in die Jahre 69 - 101 n. Chr., die Zeit, in der diese Legion in Vindonissa / Windisch (AG) ihren Standort hatte.
Der Südteil wurde wohlzwischen 70 und 75 n. Chr.,alsi im zusammenhang mit dem Truppenwechsel und der damit einhergehenden Vergrösserung des Kastellgeländes, errichtet, der Nordteil noch von der Wende zum 2. Jh n. Chr.
Diese Datierung widr aauch von baugeschichtichen Details gestützt: Die Reume des Südteils sind in einem annähernd quadratischen Raumblock zusammengefasst. Dies bedingt ein rechtwinkliges Abknicken der Benuzungsrichtung und der Rauchgase in der Hypokaistanlage. Diese Art der Raumanordnungkommt bereits in den 80er Jahren des 1. Jh n. Chr.ausser gebrauch, eine vergleichbare Anlage bei einem Militärbad findet sicch in Baden - Würtenberg nur noch in Hellbronn - Böckingen. Auch der Springbrunnen (labrum) in der Aspis des caldariums und der kreisrunde Grundriss des sudatorium sind nur in Bädern des 1. Jh. n. Chr. nachgewiesen.


"Zunächt muss ein möglichst warmer Platz ausgewählt werden. d. h. er darf nicht nach Norden oder Nordosten zu liegen. Wann aber die Beschaffenheit des Ortes das nicht zulässt, jedenfalls von Süden, weil die Badezeit vornehmlich von Mittag bis Abend festgesetzt ist. Ebenso muss man darauf bedacht sein, dass die warmen Bäder für Frauen und Männer miteinander verbunden und in der gleichen Fluchtlinie liegen. So nähmlich wird man erreichen, Dass für beide Badeanlagen die Heizkessel und ihre Unterfeuerung gemeinsam sind. Über der Unterfeuerung sind drei Bronzekessel anzubringen, einer für warmes, einer für lauwarmes, einer für kaltes Wasser, und diese müssen so aufgestellt werden. dass soviel, wie an lauem Wasser aus dem Lauwarmwasserkessel in dem Warmwasserkessel ausgeflossen ist, aus dem Kaltwasserkessel in gleichem Masse in den Lauwarmwasserkessel einfliest und das auch die flachgewölbten Räume, die die Wanne enthalten, von der gemeinschaftlichen Unterfeuerung erwährmt werden".

(Vitruf, de architektura V 10,1)


"Die hängenden Fussböden der heissen Bäder müssen so angelegt werden, dass zuerst aus Ziegelplattenvon 1 1/2 Fuss ein Bodenbelag gelegt wird, der zum Unterfeuerungsofen so geneigt ist, dass ein Ball, den mann hineinwirft, nicht innen liegen bleiben kann, sondern ganz von selbst zum Heizkammervorraum zurückrollt. So wird es die Flamme leicht unter dem schwebenden Überbau verbreiten. Auf dem Pflasterboden führe man aus achtzölligen Ziegeln Pfeiler auf, so in Abständen verteitt, dass Ziegelplatten von 2 Fuss darübergelegt werden können. Die Pfeiler aber sollen eine Höhe von 2 Fuss haben. Sie sollen mit Lehm, der mit Haaren durchkneret ist, geschichtet werden, und darüber sollten 2 Fuss lange Ziegelplatten gelegt werden, die den Estrich tragen".

(Vitruv, de architectura V10,2)


Das römische Badewesen

Über den Ablauf eines Badegangs weiss man aus lateinischen Schriftquellen recht gut bescheid. So schildert der Artzt Galeon, der im 2 Jh. n. Chr. lebte, diesen Ablauf sehr genau. Das wesentliche ist dabei der Wechsel von Kalter und warmer Temperatur. Der Besucher begiebt sich vom Umkleideraum (apodyterium) zum Aufwärmenin den lauwarmen Raum (tepidarium), dann ins feuchtheise Schwitzbad (caldarium)und anschliessend zum Abkühlen in das Kaltwasserbeckendes Kaltbaderaumes(frigidarium). Ein erneuter Schwitzgang im Heisluftbad (sudatorium) mit anschliesender Abkühlung kann folgen.
Männer und Frauen badeten stehts getrennt; entweder in seperaten Gebäudetrakten oder zu unterschiedlichen Zeiten.
Der Preis für einen Badebesuch lag zwischen 14 und 1 As.
Dies entsprach etwa dem Preis eines Glases Wein. Frauen bezahlten das dreifache.
Im Bad benötigte der Besucher Handtücher, eine flache Bronzeschale (patera) für Wassergüsse, ein Fläschchen (aryyballos) mit Salböl, einen Schaber (strigilis) aus Bronze oder Eisen zum Abschaben von Öl und Schmutz von der Haut sowie Badeschalen aus Holz.
Grosse Bäder baten neben dem eigentilchen Badevorgang auch zahlreiche Möglichkeiten für Sport, Spiel, Freizeitvergnügen aller Art und zum Teil sogar Bibliotheksräume und Dichterlesungen. Daneben boten aber auch Ärzte, Masseure, Haarauszieher und Händler ihre Dienste an.


"Ich wohne gerade über einem Bad; stell dir das Stimmengewirr,das Geschrei in allen Tonarten vor,am liebsten möchte man taub sein ! Ich höre das Ächhzen der Leute, die mit Hanteln turnen;sie stossen kurze Pfiffe aus und keuchen angestrengt.Wenn jemand ganz still daliegt und sich massieren lässt, höre ich das Klatschen der Hand auf seinem Rücken:jeweils einen anderen Laut, wen der Schlag mit der flachen oder mit der hohlen Hand gegeben wird. Wenn dann noch jemand kommt, der der nicht mit dem Ball spielen kann, ohne zu Schreien, und die Schläge mit lauter Stimme zu zählen beginnt, ist es ganz aus.Dazu kommen dann die Streitsüchtigen, der Gieb, den man auf frischer Tat ertappt hat, der Schwätzer, der sich an seiner eigenen Stimmeherauscht; und dan die Taucher, die sich ins Schwimmbecken stürzen, dass das Wasser nach allen Seiten klatschend aufspritzt. Aber diese Leute lassen wenigstens ihre natürliche Stimme ertönen. Doch vergiss nicht den Haarauszieher, der jeden Augenblick im falsett seine Dienste anpreist und nur still ist, wenn er jemanden die Haare ausreist; dann aber beginnt sein Opfer zu zetern. Gantz zu schweigen von dem Geschrei der Getränke-, Wurst- und Pastetenhändler sowie der Laufburschen der Kneipen, die umherziehenund die Ware anbieten, jerder in einer anderen Tonart".

(Seneca, Epistulae 56, 1 - 2)


Das römische Brigobannis

Die älteste römische Niederlassung auf Hüfinger Boder ist ein Erdlager im Gewann Krumme Äcker, zu dem Gräben und ein grosser Holzbau gehören. Zeitstellung und Funktion sind bisher noch unklar: entweder handelt es sich um ein Marschlager aus der Zeit des Augustus oder um einen erten Stützpunkt der Okkupationsarmee unter Claudius, vor der Errichtung des Kastells auf dem Galgenberg. Das Kastell auf dem Galgenberg wird um 40 n. Chr. als westlichster Punkt des "Donaulimes" gegründet. Seine Aufgabe bestand in der Überwachung des Knotenpunktes der Donaustrasse mit der vom Hochrhein heraufführenden Stichstrasse und des Bregüberganges sowie der Kontrolle des östlichen Schwarzwaldrandes und des nördlichen Vorfeldes auf der Baar. Das Kastell weist zwei Bauphasen auf. Um 70 n. Chr. wird das Kastellareal vergrössert und eine Reitereinheit von 1'000 Mann (ala miliaria) auf dem Galgenberg stationiert. An Innenbauten sind das Stabsgebäude, ein grosser Speicherbau und Wohnbarakken nachgewiesen. Die Anlage bestand mindistens bis in die achziger Jahre des 1. Jh n. Chr., womöglich bis an den Anfang des 2. Jh. n. Chr.

Das Badegebäude am Fusse des Galgenbergs wurde um 70 n. Chr. für die Soldaten erbaut, nach deren Abzug jedoch von der Zivilbevölkerungweiterbenutzt.
die Zivilsiedlung (vicus) im Gewann Mühlöschle nördlich des Bregüberganges entwickelt sich bald noch der Kastellgründung. Rechts und links der Überlandstrasse steht die für vicus - Anlagen typischen langrechteckigen Streifenhäuser. Die feuergefährlichen Betriebe, wie Schmieden und Töpfereien, sind an der windabgewandten Ostseite der Siedlung konzentriert. Wirtschaftliche Grundlage der Siedlung sind Dienstleistungen für durchziehende Reisende auf der Fernstrasse. Ausserhalb der Wohn- und Handwerksbetriebe erstrecken sich entlang der Strasse die Gräberfelder, in den sowohl die Soldaten ais auch die Zivilbevölkerung ihre Toten bestatteten. Im Degenreuschen Wald liegt eine römischer Gutshof (villa rustica) der wohl in den 70er Jahren des 1. Jh. n. Chr. errichtet wurde.


Die Überlandstrassen sind die Lebensadern des römischen Brigobannis. Bereits eine Gründung verdankt der Ort den Strassen: Da treffen die bis ans Schwarze Meer führende Donaustrasse und die Stichstrasse vom Hochrhein durch das Wutachtal, die das legionslager Vindonissa / Windisch (AG) mit der neuen Grenzlinie verbindet, aufeinander. Vermutlich gab es auch bereits in der Mitte des 1. Jh. n. Chr. eine Querverbindung über den Schwarzwald an den Oberrhein.
Der Verkehrsstrom vom Rhein an die Donau floss also automatisch durch Brigobannis, so dass sich die Zivilsiedlung (vicus) zum Dienstleistungszentrum für Reisende entwickelt

Nach dem Bau der Kinzligtalstrasse, die vom Legionslager Argentorate / Strassgurg nach Tuttlingen an die Donau führte, bevorzugten Reisendde nnun die kürzere Verbindung über Arae Flaviae / Rotweil.
Auch das neugegründete Zentrum am Mittleren Neckar war mit Brigobannis über eine Strasse verbunden. Doch das Huptverkehraufkommen zog, Spätestens ab sem Bau der Strassen Ettlingen - Pforzheim - Cannstatt - Aislingen bzw. STettfeld - Cannstatt im Norden auf den deutlich kürzeren Verbindungsstrecken zwischen Rhein und Donau vorbei.
Brigobannis gerät, nicht nur militärstrategisch, ins Hinterland, behält aber seine Funktionen bei, wenn auch in deutlich verringetem Umfang.


Die Erforschung des römischen Hüfingen

1605 Reichsritte Hans von Sondagen"der Gelehrte", berichtet in fünf Briefen von Sondagen in der Nähe des Galgenberges, die u. a. römische Münzen und eine Ziegelmosaikboden, wohl aus dem Bad, erbringen.

Eine erste, handschriftliche Oberamtsbeschreibung berichtet über römische Altertümer in Hüfingen.

1820 - 1821 Andreas Buchner Identifiziert das auf einer antiken Strassenkarte, der Tabula Peutingeriana, genannte "Brigobanne" mit Hüfingen.
Karl Egon II., Fürst zu Fürstenberg,veranlasste daraufhin die Ausgrabung des Bades durch eine Kommission unter der Leitung seines Leibarztes Wilhelm Rehmann.Die Baderuine wird zur Konservierung mit einem Schutzbau versehen, der den Baaremer Scheunen nachempfunden und einer der ersten seiner Art in Deutschland ist.

1913 Paul Revellio legt das Herrenhaus des römischen Gutshofes im Deggenreuschen Wald frei

1913, 1924 - 32 Paul Revellio untersucht im Auftrag der Reichslimeskommission das Kastelgebäudde auf dem Galgenberg.

1957 - 66 August Eckerle leitet die grossflächigen Ausgrabungen im Bereich der Zivilsiedlung im Mühlöschle. Die Ausgrabungen wurden notwendig, da auf dem bis dahin nicht überbauten Gelände ein Industiegebiet entstehen soll.

1978 - 1980 Notgrabungen des Lansesdenkmalamtes auf der Trasse der neuen B 31. Dabei wurden das Erdlager und das Gräberfeld im Gewann Krumme Äcker angeschnitten.


Die Römer in Südwestdeutschland

51 v. Chr. Ende der Feldzüge Caesarsin Gallien. Der Rhei bis zum Bodensee ist Grenze des Imperiumm Romanum. Südwestdeutschlans rückt in das Blickfeld der Römer.

15 v. Chr. Alpenfeldzug. Drusus und Tiberius, die Stiefsöhne des Augustus, erobern das gesammte Alpenvorland, Tiberius erreicht vom Bodensee aus in einem Tagesritt die Donauquellen.

9 n. Chr. Niederlage des Quintilius Varus bei Kalkriese am Wiehengebirge, nördlich des Teutoburger Waldes. Augustus giebt seinenPlan auf, Germanien bis zur Elbe dem römischen Reich einzugliedern. Sicherung der Rheingrenze durch Militärlager.

40 / 47 n. Chr. Gründung rechtsrheinischer Stützpunkte im Oberrheintal und Kastelanlagen an der oberen Donau (z. B. Brigobannis / Hüfingen)

74 n. Chr. Bau der Kinzligtalstrasse von Argentorate / Strassburg an die Donau, Befestigung der Strasse durch Kastelle. Gründung von Arae Flaviae / Rottweil.

83 / 85 n. Chr. Virverschiebung der Grenze an den mittleren Neckar.

89 n. Chr. Verbindung des Main - Odenwald - Neckar - Limes mit dem Alblimes durch eine Strasse von Grinario / Köngen nach Ad Lunam / Urspring.

117 / 138 n. Chr. Hadrian lässt den Limes mit einer durchgehenden Palisade verstärken.

145 / 150n. Chr. Letzte Vorverlegung des obergermanischen - rätischen Limes.

213 n. Chr. Feldzug des Caracalla gegen die Alamannen von Raetien aus.

233 n. Chr. Alamanneneinfall

254 n. Chr. Alamanneneinfall

259 / 260 n. Chr. Alamannen und Franken überrennen den Limes. Das rechtsrheinische Provinzgebiet wurde aufgehoben.Grenze ist nun wieder der Rhein.

A. v. d. T.



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Öffnungszeiten::

Mai bis Oktober
Sonntag 14.00 - 17:00 Uhr

Parkmöglichkeiten:

Parkplatz in der nähe
beim Schutzbau


Kosten:

ev. Benzinkosten,

Eintrittspreis für Erwachsene: € 2.-

Gastronomie:

in Hüfingen



Übernachtung:

in Hüfingen
Stand: Oktober 2005


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Wegbeschreibung:

mit dem Fahrzeug


Optimale Route von Stuttgard nach Hüfingen
Fahrzeit: ca. 1 Stunde 30 Minuten
Von Stuttgard aus etwa noch 128 Kilometer bis Hüfingen
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Stuttgart auf die B14 fahren
am Kreuz Stuttgart auf die A831 abbiegen und richtung Singen fahren
bei Villingen-Schwenningen auf die A81 abbiegen und weiter richtung Singen fahren
am Dreieck Bad Dürrheim von der A81 auf die A864 in richtung Donaueschingen fahren
in Donaueschingen von der A864 auf die B27 richtung Hüfingen abbiegen
In Hüfingen dem Wegweiser "Römische Baderuine" folgen


Der Parkplatz befindet sich in der nähe der Bareruine
Zu sehen sind hier die überreste von einem Römischen Bad mit Hypokaust unter einem Schutzbau

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Tel: 0071/6009-0



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