Besucht von: JJ , am: 15. 03. 2007 , Objekt Nr. ch-rr-vd.0010 ....................................................................................................Die Bildergalerie befindet sich am Ende dieser Seite !!!

 

 


Schweiz Aargau



Vindonissa (Windisch) !



Offiziersküche


Öffnungszeiten:

Schlüssel gegen Depot von sFr. 100.- oder Ausweis bei der
Klosterkirche Königsfelden oder im Vindonissamuseum in Brugg erhältlich


Klosterkirche:

1. April - 31. Oktober
Dienstag - Sonntag
10:00 bis 17:00 Uhr


1. November - 31. März
Dienstag - Sonntag
13:00 bis 16:00 Uhr
Montag geschlossen


Museum:

Dienstag - Sonntag

10:00 bis 12:00 und
14:00 bis 17:00 Uhr

Montag geschlossen


Stand: März 2007

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INVITATIO - zu Gast im Offiziershaus

Im Vergleich zu den Legionären, die in engen Mannschaftsstuben untergebrachtsind, haben es die römischen Offiziere sehr viel konfortabler. Sie bewohnen mit ihrer Familien eigene Häuser mit Dienstpersonal aus Sklaven. Ein villenartiges Haus eines ranghohen Offiziers der 21. und später der 11. Legion stand in der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. an jener Stelle. Aufgrund seiner prominenten Lage direktt neben dem zentralen Verwaltungsbau der Legion und an der VIA PRINCIPALIS (Hauptstrasse), dürfte es sich um das Haus des ranghöchsten Centorio, des PRIMUS PILUS, handeln.
Er befehligte die 1'000 Mann starke erste KOhorte, die im Kampferprobte Elitetruppe der Legion.


Ein Gastmahl im Haus
Legionslager Vindonissa, an einem Tag im Juli um 65 n. Chr

Seid gegrüsst, Fremde. Grüsst Secundina, die zweitälteste Tochter des Vindex. Sie ist vor 15 Jahren im Legionslager Vindonissa zur Welt gekommen - im Jahre als der Hausherr (ihr Vater) Centurio der XXI Legion wurde. Normalerweise lebt sie mit dem Eltern, den Geschwistern und den Sklaven alleine im Haus. Aber jetzt wimmelt es von Menschen, denn es ist ein ganz besonderer Tag: der Hausherr hat den Legionskommandanten zu einem Gastmal eingeladen. Begleitet wird er von einem jungen Tribunen, der neu aus Rom zur Legion gekommen war.

Der Chefkoch hat ein Menü zusammengestellt, bei dem, neben den Importprodukten wie Austern und gepökelten Mittelmeerfischen, vorwiegend frische Fische und Grosswild aus den nahen Flüssen und Wäldern zu schmakhaften Speisen verarbeitet werden. In der Küche ist hochbetrieb. Der Chefkoch und die Küchensklaven sind schon mächtig am Schwitzen.


CULINA - eine mediterane Küche

In diesem Offiziershaus verfügt der Koch (COCUS) über eine besonders geräumige Küche (CULINA).
Der knapp 10 m2 grosse Herd erlaubt es ihm und seinen Gehilfen, mehrgängige und aufwändig zu kochende Menüs für die Famielie des Offiziers und seine Gäste zuzubereiten. Auf der Herdfläche können gleichzeitig Speisen gekocht, gegrillt, gedämpft, in zugedeckten Platten gebacken und vor dem Servieren in heisser Asche warm gehalten werden. Auf einer erhöhten Herdplattform zu Kochen, gehört zu den kurturellen Neuerungen, welche die Römer in das Gebiet nördlich der Alpen bringen.


Ein tüchtiger Koch

Sag mir, wiviele du einlädst und wie viel du ausgeben möchtest, sonst kein Wort. Das genügt - schon steht die Mahlzeit bereit.


Hochbertieb in der Küche

An normalen Tagen in der Küche. Gewürze wird in der Reibschüssel zerreiben. Oder Früchte und Oliven zubereitet. Im beissenden Rauch schuften und schwitzen die fleissigen Küchensklaven. Sie rüsten Gemüse, machen Feuer oder spülen schmutziges Geschirr. Der Chefkoch, würtzt die Forellenplatte mit gehacktem Dill und Koriander, bevor diese serviert werden. Am Herd kostet ein Hilfskoch einen Gratrin aus kleinen Fischen, während sich sein Kollege um die Gemüsebeilagen kümmert: Bohnen à la Vitellius, dazu Fenchel und Sellerie.


Kräutersauce für gebratenen Fisch.
IUS DIABOTANON IN PISCE FRIXO.

Nimm einen beliebigen Fisch, reinige, salzze und brate ihn.
Stampfe Pfeffer, Kümmel, Koriandersamen, Laserwurzel, Origanum, Raute, zerreibe dies, giesse Essig dazu, gib Jerichodatteln, Honig, eingedichteten Most, Öl und Fischsauce hinzu;
rühre dies gut um, giesse es in eine Kasserolle und bringe es zum kochen.
Wenn es kocht, giese die Sauce über den gebratenen Fisch.
Bestreue ihn mit Pfeffer und serviere ihn.


CONVIVUM - ein festliches Gelage

Das Gastmahl (CONVIVIUM) ist das gesellschaftliche Hauptereignis im römiscchen Tagesablauf. Man(n) liegt mit Gästen auf gepolsterten Sofas, unterhält sich über Politik. Sport und den neusten Klatsch aus Rom. Dabei geniesst man mit den Fingern mundgeracht geschnittene Speisen. Die Plazierung der Gäste auf den Liegesofa folgt klaren Regeln.
Der Ehrengast nimmt neben dem Gastgeber auf dem LOCUS CONSULARIS Platz. Frauen und Kinder sitzen beim Gastmahl auf Stühlen. Zwischen den Gängen wird die Gesellschaft mit musischen Darbietungen, wie Gesang, Tanz, Musik und Dichtung, unterhalten. Wenn der letzte Gang serviert ist und die Diener die Kandelaber - Leuchten anzünden, beginnt üblicherweise das Trinkgelage.
Der Hausherr setzt die Regeln für das Mischverhältnis von Wein und Wasser fest und die Gäste übernehmen mit eigenen "künstlerischen" Produktionen die Unterhaltung der versmmelten Gesellschaft.


Gäste kommen

An schönen und sonnigen Tagen werden die Möbel aus dem Essraum in den Innenhof gestellt. Die Hausfrau und die Haussklavinnen sind die einzigen, die sich für das Flötenspiel intressieren. Die Männer haben anderes im Sinn: Sie denken nur ans Essen und Trinken. Der Tribun flirtet hinter dem Rücken des Legionskommandanten mit dessen Frau, während der Hausherr dem Ehrengast seine ganze Aufmerksamkeit widmet. Wahrscheinlich frischen die beiden Erinnerungen an vergangene Heldentaten auf.
Dank Sonnenschein und italienischem Wein ist die Gesellschaft in bester laune. Und von den kochkünsten des Chefkochs sind alle begeistert. Der Hauptgang besteht aus: In Wein gekochte Spanferkel, Hirschbraten, Erbsenauflauf, Linsen und Kastanien, Salat, dazu würzige Fischsauce aus Spanien. Danach wird der nächste Gang aus Huhn à la Fronto serviert.


Der Nachtisch

Das Gastmahl dauert schon mehrere Stunden. Nach all den Hauptspeisen ist es Zeit für den Nachtisch. Er beteht aus: Apfel, Birnen und getrocknete Feigen die in mundgerechte Stücke zugeschnitten sind. Kirschen, Trauben, Walnüsse stehen schon bereit.
Ein Hilfskoch bereitet von Hand süsse Omaletten mit Milch zu. Und auf speziellen Wunsch wird auch einen Honigguss dazu serviert.
Die aufwendige Kocherei für das Gastmahl hat in der Küche, Tontöpfe, Amphoren und Schalen durcheinander gebracht.


CELLA PENARIA - Leckereien aus fernen Ländern

Mit einem jährlichen Einkommen von 18'000 Silberdenaren, dem 80 - fachen eines Legiönärssoldates, kann sich ein ranghoher Offizier ohne weiteres ein teures Gastmal mit Vorspeise (GUSTATIO), mehreren Hauptspeisen (MENSAE PRIMAE) und Dessert (MENSAE SECUNDAE) leisten. Besonders tief in die Tasche greifen muss er wohl für die Austern, den Wein aus Rhodos und den Pfeffer aus Italien. Für den Ständigen Nachschub mit Alltags- und Luxusgütern, wie Lebensmittel, Tierfutter, Brennholz, Baumaterial und Gebrauchsgegenständen, sorgt die gut organisierte Heresverwaltung.
Sie schliesst mit den Produzenten und Händlern von Wein, Öl und anderen Gütern in den verschiedenen Provinzen Lieferverträge ab. Die Wahren gelangen hauptsächlich auf grossen FLussschiffen , die bis zu 10 Tonnen laden konnten, auf Aare, Reuss und Limmat nach Vindonissa. Hier werden sie in grossen Speichern und privaten Vorratskammern (CELLA PENARIA) gelagert.


OLET - ein archeologischer GLücksfall

Es stinkt (OLET) im schmalen Durchgang zwischen den Tabernae und dem Offiziershaus! Hier werden die Speiseabfälle und alle Arten von häuslichem Unrat deponiert.
Für die archeologischen Untersuchungen ist dies ein Glücksfall. Dank der im Müllhaufen erhaltenen Knochen und Pflanzenteilen und den im lehmigen Küchenboden eingetretenen Speisen lässt sich der Menüplan in dieser Küche zu einem guten Teil rekonstruieren. Es werden teure und typische römische Speisen zubereitet: Austern, Mittelmeerfische, Spanferkel, Wildschwein, Spatzen und andere Singvögel, dazu Gewürze wie teuerer Pfeffer und vieles mehr. Besonders beliebt waren offensichtlich Spatzen, denen man vor dem Kochen die Füsse abhackte. Die Füsse fielen auf den Küchenboden; die Knochen wanderten nach dem Mahl auf den Müllhaufen.


Der Abfallhaufen

Auf dem stinkenden Abfallhaufen neben der Küche landet alles, was vom Festschmaus übrig bleibt. Ganz zuoberst erkennt man die Reste der Vorspeise: Eierschalen, Möhren, gebrannte Spatzen und Trauben, Olivensteine, Austernschalen und Brötchen. Dazwischen liegen Scherben. Die stammen vom Geschirr, das unachtsame Sklaven zerschlagen haben... Und all das verrottet in der Hitze des Sommerabends, umschwärmt von Wespen und Fliegen.


LATRINA - zum Latrienendiens eingeteilt

Ein Netz aus unterirdischen Kanälen durchzieht das dicht bebaute Legionslager. Das Schmutzwasser aus den Latrinen, Thermen und Werkstätten sowie das Regenwasser wird gesammelt und rasch aus dem Lagergebiet in richtung Aare und Reuss abgeführt. Für den Bau und den Unterhalt sorgen die Legionäre. Jeden Tag wird ein neuer Dienstplan erstellt, auf dem nneben dem Exerzieren, der Wache und den Verwaltungsaufgaben auch die Reinigung der sanitären Anlagen geregelt wird.


Das stille Örtchen

Nach dem Hauptgang verschwinden der Hausherr zusammen mit dem Kommandanten. Sie sitzen zusammen auf der latriene und schmieden vermutlich Pläne für zukünftige Heldentaten.
Zwei junge Rekruten sorgen unterdessen in der schmalen Gasse hinter dem Haus dafür, dass die Abwasserleitung nach tagelanger, zum Himmel stinkender Verstopfung endlich wieder in Ordnung gebracht wird. Wozu doch ein so hoher Besuch alles nützlich ist!


Salutatio - Karriere in der römischen Armee

In der Rangordnung der Legion spielt sich das Abbild der römischen Gesellschaft. Die Gäste des Vindex bekleiden in der Armee entsprechend ihrem Stand als römische Senatoren die höchsten Offiziersränge. Der CENTURIO VINDEX hingegen musste sich vom einfachen Legionär in 20 Jahren Dienstzeit durch Mut, Führungsstärke und Organisationstalent die verschiedenen Dienstgrade hoch arbeiten. Die Legion bietet ihm die einmalige Möglichkeit für ein sozialen Aufstieg. Als Befehlshaber der ersten Kohorte stehenihm nach der ehrenvollen Entlassung die Türen für eine glänzende Karriere in der Reichsverwaltung offen. Er kann es mit etwas Glück und guten Beziehungen bis zum Provinzstatthalter bringen.


TABERNA - Treffpunkt zum Spielen, Trinken und Essen

Für die Mahlzeit kochen sich die Legionäre entweder in der Mannschaftsstube einen Getreidebrei (PULS) oder sie holen sich in der Tabernae entlang der Lagerhauptstrasse einen Imbiss. In jedem Fall aber muss der Legionär sein Essen selbsstbezahlen. Dazu kommen, wie zu allen Zeiten, die Fresspakete von Zuhause. In den Tabernae trifft man sich nach dem Dienst zum gemeinsamen Essen, Trinken und Spielen. Sehr beliebt bei den Soldaten ist das Würfeln um Geld. So mancher Legionär verspielt hier seinen hart verdienten Sold und muss anschliessend zur Begleichung seiner täglichen Auslagenbei einem Kamaraden einen Kredit mit Zinsen aufnehmen.


Die Legionäre in der Taverne

Die Legionäre die nach einem harten Tag bei militärischem Drill oder auf Patruille Feierabend haben, sind in eine Taverne eingekehrt. Sie stehen an der Theke und vertreiben sich unter den Augen der Wirtin bei einem Würfelspiel die Zeit. Einige von ihnen geniessen eine einfache Mahlzeit: Speck, Bohnen, Brot, gegrillte Rindsspiesschen, Getreidebrei, Oliven oder Würste und dazu reichlich Wein. Andere beobachten das rege Treiben auf der Hauptstrasse oder flirten mit den jungen Serviererinnen.


Speisen und Rezepte - APICIUS

Gekochte Eier mit Garum - OVA ELIXA

Gebratene Möhren - CAROTAE FRICTAE

Gebratene Spatzen und Trauben an weisser Sauce - IUS CANDIDUM IN AVEM ELIXAM

Oliven - OLIVAE

Austern - OSTREA

Sauce für Austern - IN OSTREIS

Fischsauce - GARUM

Brötchen - PANICELLI

Spanferkel in Wein gekocht - PORCELLUM OENOCOCTUM

Huhn à la Fronto - PULLUM FRONTONLANUM

Hirschbraten mit heisser Sauce - IN CERVUM ASSUM IURA FERVENTELA

Erbsenauflauf - PISAM FARSILEM

Linsen mit Kastanien - LENTICULUM DE CASTANEIS

Salat - LACTUCA

Brot - PANIS

Fischsauce - GARUM

Gratin mit kleinen Fischen - PATINA DE PISCCICULIS

Gegrillter Aal mit Sauce - IUS IN GONGRO ASSO

Gekochte Makrelenmit Sauce - IUD IN MURENA ELIXA

Gebratene Forellen mit Kräutersauce - IUS DIABOTANON IN PISCE FRIXO

Bohnen à la Vitellius - FABAM VITELLIANAM

Sellerie und Fenchel - APIUM ET FENICULUM


MENSALE SECUNDALE

Äpfel - MALA

BIrnen - PIRA

Getrocknete Feigen - CARICAE

Kirschen - CERLASLA

Trauben - UYAE

Walnüsse - NUCES

Süsse Omaletten mit Milch - OVA SPONGIA EX LACTE

Süsssspeise mit Honigguss - DULCIA


Mensat - Köstliches aus dem römischen Rezeptbuch

Die Rezepte des Gastmals sind dem Kochbuch des Marcus Gavius Apictus entnommem, der als Feinschmecker und Erfinder extravaganter Gerichte in die Geschichte einging. Die für das Menu des Gastmals notwendigen Zutaten konnten im Abfall und im Lehmboden der Küche archeologisch nachgewiesen werden.



Impeessum

Projektleitung : Kantonsarcheologie Aargau

Austellungsgestalltung: Bellprat Associates AG, Winterthur

Digitale Bilder: Digitale Archeologie, Fieiburg i. Br.

Wandmalerei: Müller / Tauscher, Zürich

Lichtplanung: Marti AG, Cri Bertozzi, Zürich

Restaurierung Mauerwerk: Gebrüder Seckinger AG, Würenlos ETH Expert Center, Zürich (Beratung)

Finanziert von: Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport
Lotteriefonds Kanton Aargau, Eidgenössisches Departement des Inneren Kanton Aargau,
Departement Finanz und Resourcen, Abteilung Hochbauten Kanton Aargau,
Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilund Landerwerb Gemeinde Windisch

z. T. - A. v. d. T.



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Eintrittspreis:

frei zugänglich

Schlüssel gegen Depot od. Ausweis

Parkmöglichkeiten:

in Windisch


Kosten:

ev. Wegspesen

Gastronomie:

in Windisch


Übernachtung:

in Windisch od. Brugg

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Und hier sehen Sie,
wie Sie Vindonissa finden können !




Kartenausschnitt nach Vindonissa


Plan zum ausdrucken


Koordinaten:

659091 / 259207 (358 m ü.M)


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Wegbeschreibung:

mit dem Fahrzeug


Optimale Route von Zürich über Baden nach Vindonissa (Windisch)
Fahrzeit: 28 Minuten
Von Zürich aus etwa noch 33 Kilometer bis nach Vindonissa (Windisch)


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von Zürich über den Neumühle Quai in die Stampfenbachstraße abbiegen
der Stampfenbachstraße über die Museumstraße die Pfingstweidstraße richtung Zürich-Hardturm, Zürich-Altstetten folgen
am Limmattaler Kreuz auf die A1 in richtung Bern/Basel fahren
und der A1 über Dietikon, Würenlos, Wettingen, Neuenhof und Baden folgen
nach Baden von der A1 auf die A3 in richtung Basel fahren
der A3 bis Ausfahrt Brugg, Windisch folge
an der Ausfahrt abfahren und dem Wegweiser "Windisch" über Hausen bei Brugg nach Windisch folgen
in Brugg dem Römer Wegweiser folgen



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