Besucht am: 15. 05. 2005 / 15. 03 2007 , Objekt Nr. ch-rr-vd.0006 ....................................................................................................Die Bildergalerie befindet sich am Ende dieser Seite !!!

 

 


Schweiz Aargau



Vindonissa (Windisch) !



Wasserleitung !


Öffnungszeiten:

Sommer: von 08:00 - 19:00 Uhr
Winter: von 08:00 - 17:00 Uhr


Stand: Mai 2005

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Die einzige Wasserleitung aus römischer Zeit nördlich der Alpen, welche bis heute funktioniert, speist den Springbrunnen im Park von Königsfelden. Ein kurzer Abschnittder Leitung ist im Keller der Alterswohnungen Lindenpark Windisch, Lindenhofstrasse 10, freigelegt.
A. v. d. F.


Vindonissa und sein Wasserbedarf

Für jede Siedlung, auch ein Legionslager wie Vindonissa, ist Trinkwasser oder der zugang zum Trinkwasser (über-)lebensnotwendig. Für eine Legion muss man mit 5'000 bis 6'000 Mann und 1'200 Reit- und Zugtiere rechnen, zuzüglich die Hilfstruppensoldaten. Und im Fall eines Standlagers wie Vindonissa müssen noch die Einwohner der umliegenden Zivilsiedlungen dazugezählt werden. So lässt sich ein Wasserbedarf von 150 bis 200 m3 pro Tag schätzen. Zur Deckung dieses Bedarfs reicht ein Wasserzufluss von 800 l pro Stunde.

Wenn man allerdings in Betracht zieht, dass das Wasser nicht über 24 Stunden im Tag regelmässig genutzt wurde, sondern zu stosszeiten Andrang herrschte, dürfte warscheinlich etwa das doppelte, also 1'600 l pro Stunde benötigt worden sein. Messungen an der Wasserleitung nach Vindonissa in den Jahren 1930 und 1962 haben Werte von ca. 50'000 l pro Stunde bzw. 24'000 l pro Stunde ergeben, darum kan mann annehmen, dass die Wasserleitung den dammaligen Anforderungen genügte.


Wasserbeschaffung in Vindonissa

Das Legionslager liegt am Zusammenfluss der beiden Wasserreichen Gebirgsflüsse Aare und Reuss; allerdings rund 30 m höher auf einer gegen die zwei Flüsse steil abfallenden Kiesterrasse. Das Grundwasser liegt in 30 m Tiefe auf dem Flusswasserspiegel. Die Aufgabenstellung in römischer Zeit für die Trinkwasserbeschaffung hiess einfach:


Wo ist der nächstgellegene Ort

- an dem sich Trinkwasser in genügend Menge findet und,

- von dem mit angemessenem Bauaufwand eine Wasserleitung erstellt werden kann,

- in der das Wasser selbständig nach Vindonissa fliesst?


Vitruv (sihe Wissensstand der Römer) empfahl für eine Wasserleitung ein stetes Gefälle zwiscchen 1/4 % und 1/2 %. Die Römer mussten also ein Trinkwasservorkommen finden, das pro 100 strekenmeter 25 - 50 cm höher als die Brunnenstube (Verteilerbeckenvor Vindonissa) lag.
Die einzigen Quellen, die diese Vorgaben erfüllten liegen am Bruggerberg und am Fuss des Gebensdorfer Horns. Diese zwei Orte sind aber jenseits des Aare- und des Reusstales, was die Erschaffung von bis zu 2 km langen und 30 30 m hohen Aquädukten "Wasserversorgung von Lagern" bedingt hätte.
Die römischen Erbauer fanden aber eine viel einfachere Lösung. Sie entdeckten (Wie?) das einzige unterirdische Trinkwasservorkommen in der näheren Umgebung von Vindonissa. So konnten sie das 3 m unter der Erdoberfläche liegende Grundwasservorkommen bei Hausen, im Tal zwischen Guggerhübel und Eitenberg, nach Vindonissa ableiten.

Dabei handelt es sich um eines der bedeutensten Dänkmähler der Schweiz, obwohl es sich um eine Wasserleitung handelt, die nicht durch architektonische Extavaganz und eine atemberaubende Bauweise besticht, sondern im Gegenteil eher schlicht und funkitionsorientiertgebaut ist. Die 2'400 m llange Wasserleitung besteht grundsätzlich aus einem solid gemauerten unterirdischen Kanal, in dem das Wasser, dank stetem Gefälle, frei von Hausen zum Legionslagger Vindonissa fliessen kann. Doch genau diese praktische und "bloss"aufgabenerfüllende Seite der Leitung, machte sie zu einem begehrten Objekt bis ins 19 Jahrhundert. Darum ist sie heute das wohl einzige Bauwerk in der Schweiz, das seit bald 2'000 Jahren seinen Zwcck erfüllt und immer noch voll funktionstüchtig ist. Damit ist sie überhaupt die einzige noch intakte römische Wasserleitung nördlich der Alpen.
Die letzte anhöhe vor Vindonissa ist Oberburg. Aus diesem Grund wurde auf Oberburg die Brunnenstube errichtet. Die Brunnenstube ist die Stelle, an der der Trasnsportabschnitt endet, und von der aus das Wasser mit genügend DRuck in das Legionslager fliessen muss. Ob das mit mehreren Druckleitungen, oder mit einem Aqädukt Gemacht wurde ist heute noch ungewiss. Auch der Aufbau der Brunnenstube ist noch nicht genügend erforscht.
Sicher ist, Das der Hauptteil des Wassers heute in der Brunnenstube abgezweigt wurd und in einer modernen Rohrleitung zum Springbrunnen vor dem Hauptgebäude der Klinik Königsfelden fliesst, und dass Sie im Altersheim lediglich das Überlaufwasser aus der Brunnenstube vorbeifliessen sehen.


Auf die ganze leitung verteilt hat es 26 unterirdische Eintiegsschächte Nr. 1 - 25 und Schacht "B". Sie dienen dazu, due Leitung regelmässig kontrollieren zu können.
Zudem haben sie teilweise ein Absatzbecken, das Verunreinigungen wie Sand und SChlamm zurückbehält. So konnte bei den regelmässigen Kontrollen der Schlamm aus dem Absetzbecken herausgeschöpft werden. Eine Besonderheit stellt Schacht "B" dar, der mit einem giebelförmigen Aufbau und einem Gucckloch versehen isst. Dieser Schacht ist im Gegensatz zu den übrigen Schächten an der Oberfläche sichtbar.
Die Aufgabe des 1'800 m langen Transportabschnittes ist es, das Wasser möglichst ohne Verlust zur Brunnenstube und damit zum Legionslager zu führen. Deshalb ist es mit massiven Wänden und einem dicken Fundament ausgestattet, und die Innenwände und die Sole sind mit einer wasserdichten Mörtelschicht (opus signinum) ausgestrichen.
Dieseer rund 590 m lange Kanalabschnitt nimmt im Bereich des heutigen Dorfes Hausen Wasser auf und leitet es dem Transportabschnitt zu. Dies ist möglich, da der Kanal hier ohne Fundament direkt auf den kiesigen Untergrund gebaut ist, und die Seitenwandsteine ohne Mörtel locker aufeinandergeschichtet sind. Dadurch kann das Grundwasser ungehindert durch die Fugen und Ritzen eindringen und dem Transpurtabschnitt zufliessen.


Wissensstand der Römer im Wasserleitungsbau

Das Wissen der Römer über Baumaterialien und deren verwendung weicht kaun vom heutigen Wissen ab. So verwndeten die Römer die seit langem bekannten Materialienm Stein, Holz, Ziegel und Metall. Neu entwickelten sie das opus caementitium (römischer Beton). Dieser römischer Beton war im Wasserbau von enormer Wichtigkeit, weil er gut formbar und neben Stein und Blei sehr beständig ist, dass Blei aber gesundheitsschädigend sein kann, wussten auch die Römer schon.
Bereits in den Jahren um 25 v. Chr. schrieb ein Architekt namens Vitruv alles Wissenswerte über die Architektur nieder. In diesem Werk berichtet Vitruv auch vom Wasserleitungsbau, von den Methoden der Höhenmessung und den verschiedenenWasserqualitäten. Obwohl Vitruv vom "Auffinden des Wassers" spricht, weiss man noch nicht, wie die Römer z. B. Grundwasservorkommen aufspüren konnten.


Werkzeuge zur Römerzeit

Die Römer benutzten weitestgehend die selben Werkzeuge zur bearbeitung von Stein und Holz, wie wir sie heute noch benutzen. Von Abbildungen und Fundstücken weiss man, dass die Römer den Hammer, die Kelle, das Reibebrett, die Mörtelmulde, den Spachtel, das Senkblei, den Winkel, den Klappmasstab, die Setzplatte und den Zirkel bereits kannten.

Zur Herstellung dieser Werkzeuge verwendeten sie hauptsächlich Bronze, Eisen, Holz und Knochen. Auch Maschienen wie das Wasserrad, der Hebel, sie Kurbel, die Rolle, der Flaschenzug, Kräne und Metallzahnräder wurden eingesetzt.
Zur Höhenmessung, was beim Wasserleitungsbau sehr wichtig war, verwendeten die Römer den Diopter, die Wasserwage und den 6 m langen


Die Wasserversorgung nach dem Untergang des Römischen Reichs

Im Jahre 1308 wurde der deutsche König Albrecht von Habsburg bei Windisch ermordet. Daraufhin stiftete seine Witwe, Königin Elisabeth, am Tatort das Kloster Königsfelden. Der bereits um 1310 begonnene Bau wurde dadurch erschwert, dass das Wasser aus der weit entfernten Reuss geholt werden musste. Da offenbarte Gott dem Bruder Nicolaus von Bischofszell die Stelle, an der Wasser vorhanden war, mit dem das Kloster fortan versorgt werden konnte: Die römische Wasserleitung.
1363 schenkte Herzog Rudolf IV von Österreich dem Kloster Königsflden offiziell die "Runse der alten Toten", also die römische Wasserleitung.
Wohl schon im 14. Jahrhundert leiteten die Einwohner von Oberburg in Windisch Wasser aus der Leitung in den Bärenbrunnen ab. Dazu erhielten sie die Bewilligung der Nonnen von Königsfelden. Allerdings mussten die Oberburger 1459 den Nonnen bestätigen, dass sie den Brunnen nur als Gunst erhalten haben, und das sich daraus kein Rechtsanspruch auf das Wasser ableitet.
Im 17. Jahrhundert erscheint die römische Wasserleitung in den damaligen Reisseführern als Kuriosum und Sehenswürdigkeit.
Der Berner Hofmeister Emanuel Tscharner liess während seiner Amtszeit (1752 - 1758) die ganze Wasserleitung renovierenund die Einstiegsschächte mit gross nummererierten Marksteinen kennzeichnen. 1778 wird dem Dörfchen Oberburg der Brunnen, der das Wasser aus der Leitung bezieht, von der Berner Regierung erneut bestätigt. Um 1796 erstellt die Gemeinde beim "Bärenbrunnen" und beim spätter errichteten Pfarrhausbrunnen je ein öffentliches Waschhaus. Das Waschhaus beim "Bärenbrunnen" ist heute in erweiterter Form das Feuerwehrmagazin. Die dazugehörige Strasse hiess früher aus diesem Grund "Brunnenrain".
1835 zeichnete C. Auer einen sehr genauen Plan der römischen Wasserleitung, der grösstenteils heute noch Gültigkeit hat. Von da an erschien sie bis 1955 in allen Landeskarten.
Gegen ende des 19. Jahrhundert wurden die 2'000 Einwohner der Gemeinde Windisch immer noch nur mit dem Trinkwasser aus der römischen Wasserleitung versorgt. Erst 1897 kaufte die Gemeinde eine Gruppe von Quellen in Mülligen und baute ein leistungsfähigeres Leitungsnetz. Damit wurde die römische Wasserleitung für die Wasserversorgung bedeutungslos. Heute versorgt die römische Wassserleitung nur noch den Springbrunnen vor dem Hauptgebäude der Psychiatrischen Klinik von Königsfelden.
Das Wasser der römischen Wasserleitung wird zwar heute nicht mehr benötigt, die Bedeutung liegt aber darin, dass sie das einzige fast 2'000 Jahre alte und voll funktionstüchtige Bauwerk nördlich der Alpen ist. die Aufgabe in der Zukunft wird es sein , die römische Wasserleitung in dem heutigen funktionstüchtigen Zustand zu halten!
A. v. d. T.



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Eintritspreis:

frei zugänglich !

Parkmöglichkeiten:

in Windich


Kosten:

ev. Wegspesen

Gastronomie:

in Windich od. Baden


Übernachtung:

in Windich od. Baden

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Und hier sehen Sie,
wie Sie Vindonissa finden können !




Kartenausschnitt nach Vindonissa


Plan zum ausdrucken


Koordinaten:

658782 / 258888 (365 m ü.M)


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Wegbeschreibung:

mit dem Fahrzeug


Optimale Route von Zürich über Baden nach Vindonissa (Windisch)
Fahrzeit: 28 Minuten
Von Zürich aus etwa noch 33 Kilometer bis nach Vindonissa (Windisch)


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von Zürich über den Neumühle Quai in die Stampfenbachstraße abbiegen
der Stampfenbachstraße über die Museumstraße die Pfingstweidstraße richtung Zürich-Hardturm, Zürich-Altstetten folgen
am Limmattaler Kreuz auf die A1 in richtung Bern/Basel fahren
und der A1 über Dietikon, Würenlos, Wettingen, Neuenhof und Baden folgen
nach Baden von der A1 auf die A3 in richtung Basel fahren
der A3 bis Ausfahrt Brugg, Windisch folge
an der Ausfahrt abfahren und dem Wegweiser "Windisch" über Hausen bei Brugg nach Windisch folgen
in Windisch dem Römer Wegweiser folgen



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